Was macht das „dritte Geschlecht“ in einer Stellenanzeige? Was ist richtig? m/w/x oder m/w/d?

Muss das „dritte Geschlecht“ in einer Stellenanzeige genannt werden?

Mittlerweile müsste es schon jedem aufgefallen sein: Was bedeutet das x oder das d in einer Stellenanzeige? Warum werden auf einmal diverse Mitarbeiter in den unterschiedlichsten Berufsbezeichnungen gesucht? Sie finden z.B. Stellenanzeigen mit den Jobtiteln Vertriebsmitarbeiter für Münster (m/w/d), Controller (m/w/i), kaufmännische Sachbearbeiter (m/w/x), Geschäftsführer /m/w/gn) oder aber auch leitender Angestellter (m/w/a). Aber welche Bedeutung haben diese ganzen Abkürzungen und warum sind sie in Stellenanzeigen so präsent. Warum das „dritte Geschlecht“ jetzt in Stellenanzeigen mit aufgenommen wird, erfahren Sie in diesem Blog.

Was bedeuten die Abkürzungen d, x, i, a?

Die Buchstaben m für männlich und w für weiblich sind stets bekannt aber wofür stehen die anderen Geschlechtsbezeichnungen? Der Buchstabe d steht für divers, das x für nicht-definiert, das a für anders und das i für intersexuell. Sie haben mit Sicherheit auch schon einmal die Abkürzung gn gelesen, diese steht für geschlechtsneutral. 

Hier finden Sie eine kleine Übersicht über die Möglichkeiten der Abkürzungen:

  • männlich/weiblich/geschlechtsneutral = (m/w/gn)
  • männlich/weiblich/divers = (m/w/d)
  • männlich/weiblich/anders = (m/w/a)
  • männlich/weiblich/Platzhalter für Geschlecht oder Fußnote = (m/w/*)
  • männlich/weiblich/intersexuell = (m/w/i)
  • männlich/weiblich/egal welches Geschlecht bzw. nicht definiert = (m/w/x)

Selbstverständlich dürfen die Abkürzungen auch in einer anderen Reihenfolge stehen (w/m/gn), (w/m/d), (w/m/a), (w/m/*), (w/m/i) oder (w/m/x)

Welche Bedeutung hat das „dritte Geschlecht“ in einer Stellenanzeige?

Wenn vom dritten Geschlecht gesprochen wird, dann spricht man von einer Intersexualität, bedeutet dass diese Menschen zwischen (=“inter“) den beiden Geschlechtern stehen. Bei diesen Menschen können bestimmte Geschlechtsmerkmale wie Hormone oder Chromosomen nicht eindeutig in „männlich“ oder „weiblich“ bestimmt werden. Auch bei einer biologischen Eindeutigkeit gibt es Fälle der sog. „Sexualdiffernzierungsstörung“ oder „Geschlechtsindentitätsstörung“. Dies stellt aber keine Krankheit dar. Grundsätzlich kann man sagen, dass sich diese Menschen nicht als Mann oder Frau einordnen lassen möchten. Aufgrund eines Öffnet externen Link in neuem FensterUrteils beim Bundesverfassungsgerichts wird nun neben Frau und Mann auch noch das „dritte Geschlecht“ anerkannt. Im November 2017 mussten Karlsruher Richter darüber entscheiden, ob ein Intersexueller (m/w/d) beim Standesamt seinen Geburtseintrag ändern lassen dürfe, da er/sie/es sich nicht als männlich oder als weiblich bezeichnen lassen müsste, sondern auch die Möglichkeit einer dritt geschlechtlichen Identität anzugeben. Diese betrifft zwar erst das Personenstandrecht. Jedoch würde dieser Tatbestand auch das Grundgesetzt bzgl. des Diskriminierungsverbot ändern und somit auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz kurz AGG. Eigentlich sind Berufsbezeichnungen (geschlechtsneutral) und in unseren Ausbildungsordnungen werden bereits seit 1979 männliche und weibliche Berufsbezeichnungen verwendet und auch das BGB wurde bereits 1980 mit einer geschlechtsneutralen Arbeitsplatzbeschreibung ergänzt. Jedoch hat die lange anhaltende Genderdabeatte und wohl auch das AGG dazu geführt, dass alle Stellen die bisher neutral erschienen sind, wie z.B. Wir suchen einen Sachbearbeiter, plötzlich gegendert wurden. Auf einmal wurden alle geschlechtsneutralen Stellenausschreibungen gegendert. Aus dem Vertriebsmitarbeiter wurde Vertriebsmitarbeiter/-in oder Vertriebsmitarbeiter (m/w). 

Die Frage, die sich jetzt viele Stellen, wie man jetzt Menschen des dritten Geschlechts eigentlich anspricht? Bis dato existieren keine verbindlichen Vorgaben. Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden, fragen Sie am besten den Betroffenen. Er/Sie wird Ihnen die richtige Antwort geben.

Was ist das AGG = Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz?

Der deutsche Gesetzgeber hat mit dem AGG = Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz einen rechtlichen Rahmen bzgl. der Diskriminierung von Bewerbern gegeben. Für Unternehmen ist es verboten, Bewerbern zu diskriminieren aufgrund:

  • Geschlecht
  • Rasse
  • Ethnischer Herkunft
  • Religion oder Weltanschauung
  • Alter
  • Geschlecht
  • Behinderung
  • Sexueller Orientierung

Hier herrscht ein so starker Schutz gegenüber des Bewerbers, dass sogar die Unternehmen beweisen müssen, dass keine Diskriminierung vorliegt, die s.g. Beweislastumkehr. 

Somit müssen die Mitarbeiter in den Personalabteilungen nicht nur das AGG beachten und somit gesetzeskonforme Stellenanzeigen betiteln, sondern jetzt auch das dritte Geschlecht mit einbeziehen. 

 

Welche Folgen hat nun das „Dritte Geschlecht“ in unseren Personalabteilungen?

Und hier kommen wir auch schon wieder auf die unterschiedlichsten Abkürzungen zu sprechen. Irgendwie muss man ja das „dritte Geschlecht“ benennen. Die Kläger (d) hatten einen Eintrag als „inter“ oder „divers“ verlangt. Der Deutsche Ethikrat wäre für „anders“. Also hat es zur Folge, dass wir diese Abkürzungen nehmen: 

  • männlich/weiblich/geschlechtsneutral = (m/w/gn)
  • männlich/weiblich/divers = (m/w/d)
  • männlich/weiblich/anders = (m/w/a)
  • männlich/weiblich/Platzhalter für Geschlecht oder Fußnote = (m/w/*)
  • männlich/weiblich/intersexuell = (m/w/i)
  • männlich/weiblich/egal welches Geschlecht bzw. nicht definiert = (m/w/x)

Vermutlich wird sich aber die Bezeichnung divers durchsetzen und sich als offizielle Bezeichnung etablieren. Demnach sollten Sie im Titel (m/w/d) oder (w/m/d) berücksichtigen. Die Antidiskriminierungsstelle rät Unternehmen, eine entsprechende Bezeichnung in Ihre Stellenanzeige mit aufzunehmen. Hier ist wieder die Sorge vor Klagen aufgrund des AGG im Vordergrund. . Allerdings sind bisher keine Fälle bekannt. 

 

Was bedeutet das * in einer Stellenanzeige?

Das sogenannte GenderSternchen soll ein Ansatz für diskriminierungsfreie Formulieren geben. Es wird oft bei Personenbezeichnungen zwischen dem Wortstamm und der weiblichen Endung eingeführt. So sehen Sie öfter Stellenbezeichnungen wie z.B. Softwareentwickler*innen. Somit sollen auch die Menschen angesprochen werden, die sich zwischen den Geschlechtern befinden. 

 

Unsere Empfehlung

Wenn Sie in Stellenanzeigen auf Nummer sicher gehen wollen, dann nutzen Sie die Abkürzungen (m/w/d) oder (w/m/d) als Zusatz, damit sollten Sie erstmal AGG-Konform sein. Bei Portalen, die eine Direktansprache ermöglichen wie z.B. azubi-me können Sie die Bewerber direkt ansprechen, entweder mit „SIE“ oder mit „DU“. 

Und jetzt heißt es abwarten, was der Gesetzgeber sagt. Bei Fragen gerne melden.