Das neue Berufsausbildungsgesetz 2020

Mit dem neuen Berufsausbildungsgesetz, welches am 01.01.2020 in Kraft getreten ist, sind 5 Punkte umgesetzt, wie die duale Berufsaus-und Fortbildung in Deutschland weiterhin attraktiv gehalten werden sollen.

  1. Die Berufsausbildung soll mit dem neuen Gesetz gestärkt werden.
  2. Es sollen klarere Bezeichnungen für den Berufsbachelor und-master eingeführt werden.
  3. Die Mindestausbildungsvergütung wird zusätzlich angepasst und erhöht.
  4. Es soll mehr Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung geben
  5. Und einen weiteren zentralen Punkt stellt die Teilzeitausbildung dar.

Es gibt in Deutschland sehr viele Fortbildungsabschlüsse und- bezeichnungen, wie z.B. den Betriebswirt/-in, Fachwirt/-in, Manager/-in, Techniker/-in, Master usw. Durch das neue Berufsbildungsgesetz sollen die vielzähligen Bezeichnungen abgeschafft und es sollen transparente Abschlüsse geschaffen werden. Bei der höheren beruflichen Bildung wird es seit dem  01.01.2020 den Berufsspezialisten, den Berufsbachelor und den Berufsmaster geben. Mit diesen Titeln soll auch die Gleichwertigkeit der akademischen Bildung gestärkt werden

Die neuen Stufen der beruflichen Bildung. © BMBF

Es gibt aber auch Kritik an den neuen Berufsbezeichnungen. Fast alle Verbände, mit Ausnahme der DIHK (Deutschen Industrie- und Handelskammer), sprechen sich gegen die neuen Titel aus. Laut Verbänden seien diese Bezeichnungen irreführend, insbesondere weil der Zusatz „Professional“ keine klare sprachliche Abgrenzung darstellt und nicht auf eine berufliche Bildung verweist. Des Weiteren fragen sich viele Verbände, warum ein funktionierendes System infrage gestellt wird. Die anderen Gegner halten die neuen Titel sogar für Etikettenschwindel. Die Hochschulen finden die Titel „Bachelor“ und „Master Professional“ eher irreführend. Schließlich würden die Titel Bachelor und Master europaweit für Hochschulabschlüsse verwendet und auch deutlich als Hochschulabschluss wahrgenommen.
Hier nochmal kurz ein Beispiel:

  • Früher Servicetechniker -> „geprüfter Berufsspezialist“
  • Früher Meister im Handwerk, oder geprüfte Finanzbuchhalter -> heute „Bachelor Professional“
  • Früher geprüfte Betriebswirte oder Pädagogen -> „Master Professional“

Ein weiterer sehr wichtiger Teil des neuen Berufsausbildungsmodernisierungsgesetzes sind die Mindestvergütungen für Azubis und eine deutliche Verbesserung der Teilzeitausbildung.

Welche Änderungen gibt es?

Stärkung und Weiterentwicklung der „höherqualifizierenden“ Berufsbildung

Wie bereits oben erwähnt sollen bei der „höherqualifizierenden“ Berufsbildung und den sogenannten „Aufstiegsfortbildungen“ einheitliche Abschlussbezeichnungen verwendet werden. Oft sind diese Fortbildungen auf dem gleichen Niveau, wie bei einem Studium. Nur der Weg war ein beruflicher Aufstieg. Die Abschlussbezeichnungen heißen ab sofort „Geprüfter Berufsspezialist“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“. Der frühere Meister als solches wird dabei aber nicht abgeschafft, sondern soll durch eine einheitliche Verbindung mit den internationalen Abschlussbezeichnungen gestärkt werden. Zudem soll durch die Änderungen der Bezeichnungen bewirkt werden, dass die berufliche und die akademische Bildung gleichwertig sind.

Mindestvergütung für Auszubildende

Eine sehr wichtige Veränderung stellt die Mindestvergütung für Auszubildende dar. Ab dem 01.01.2020 gilt eine einheitliche Mindestvergütung für alle Auszubildenden. Diese Mindestvergütung soll den Mindeststandard sichern und die Attraktivität einer beruflichen Bildung erhöhen. Alle Auszubildenden, die ihre Ausbildung in 2020 beginnen, erhalten im ersten Ausbildungsjahr eine Mindestvergütung von 515,00 €. In den nächsten Jahren werden die fixen Einstiegsgehälter weiter nach oben angepasst. Für den Ausbildungsbeginn 2021 werden dann mind. 550,00 € gezahlt, für den Ausbildungsbeginn in 2022 dann mind. 585,00 € und für den Ausbildungsbeginn in 2023 liegen wir dann bereits bei einem Mindestausbildungsgehalt von 620,00 €  pro Monat. Ab 2024 wird die Vergütung dann entsprechend der durchschnittlichen Entwicklung aller Ausbildungsvergütungen angepasst. Für das zweite, dritte und vierte Ausbildungsjahr wird dem wachsenden Beitrag der Auszubildenden zur betrieblichen Wertschöpfung außerdem durch Aufschläge auf den Betrag aus dem Jahr des Ausbildungsbeginns Rechnung getragen. Demnach wird die Bezahlung auch fairer. Mit diesem Mindestlohn soll auch die Sozialpartnerschaft gestärkt werden. Es gilt immer noch, dass Tarifverträge Vorrang gegenüber der Mindestvergütung haben.

Stärkung der Teilzeitberufsausbildung

Bereits 2005 wurde die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung eingeführt. Die Teilzeitausbildung soll mit dem neuen Gesetz weiter gestärkt werden. Bis dato konnte man nur eine Teilzeitausbildung beginnen, wenn man Kinder betreut oder Angehörige pflegt. Problem daran ist, dass es häufig nur leistungsstarke Menschen schaffen dieses nötige Pensum zu leisten, da die gleichen Inhalte (Vollzeitausbildung) in kürzerer Zeit gelernt werden müssen. Die Neuregelung erweitert jetzt die Zielgruppe derjenigen, die eine Teilzeitausbildung absolvieren darf. Voraussetzung ist weiterhin, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig über diese Form der Ausbildung sind. Neben den Personen, die vor dem Berufsausbildungsgesetz bereits eine Teilzeitausbildung beginnen durften, dürfen nun auch Personen mit Behinderungen, lernbeeinträchtigte Personen oder Geflüchtet die Teilzeitausbildung absolvieren.

Verbesserte Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung

Mit der Durchlässigkeit innerhalb der beruflichen Bildung ist gemeint, dass es neue Möglichkeiten geben wird, Prüfungsleistungen bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen zu berücksichtigen. Bis dato geschieht dies nur durch vereinfachte Voraussetzungen für die Anrechenbarkeit der Ausbildungsdauer bei Ausbildungen, bei denen 2-jährige Ausbildungsberufe wie der Verkäufer, in 3 oder 3,5-jährigen Ausbildungsberufen fortgesetzt werden, wie die Ausbildung zum Kaufmann-/frau im Einzelhandel.

 

Quelle: bmbf.de
Quelle: Deutschlandfunk.de